3. Die neue schöne Zukunft


Auch die Entdeckungen Schöns sind von außergewöhnlicher Natur. Sie sind nicht einfach ein weiterer Beitrag zu einem wissenschaftlichen Feld, sondern sie zeichnen sich durch zwei Eigenschaften aus: zum einen sind es Erkenntnisse, auf die die wissenschaftliche Gemeinschaft schon länger hinarbeitet; Schöns Entdeckungen lagen also keineswegs im Bereich des völlig Unerwarteten, sondern im Kern des sehnsüchtig Erhofften, der imaginierten wissenschaftlichen Zukunft. Man musste also gar keine besonderen Anstrengungen vollziehen, um die Kollegen von den Ergebnissen zu überzeugen. Sie waren also neu und trotzdem vertraut, eine Mischung, die dazu beitrug, die kritische Hinterfragung eher niedrig zu halten.
Aber es war nicht nur die Erfüllung eines innerwissenschaftlichen Traums, sondern die Vorstellung, Schöns Erkenntnisse könnten auf einer ökonomischen Ebene den Weg zu unabschätzbar weit reichenden wirtschaftlichen Entwicklungen ebnen. Materialen mit geringen Leitungsverlusten und daher eine nachhaltige Lösung für unsere Energieprobleme, vor allem aber neue superschnelle Computer - ein Sprung über die Grenze, an die mittlerweile klassische Silicon Chips stoßen: die Versprechen waren nicht geringer als das. Transistoren, die nicht aus Silizium, sondern aus einzelnen organischen Molekülen bestehen und damit so unvorstellbar klein sein würden, dass sie uns ungeahnte Möglichkeitsfelder eröffnen. Die Zeitschrift "Science" widmete 2001 diesem Durchbruch sogar ihre Titelseite: "The breakthrough of the year", Tagesmedien berichten dicht über diese Entwicklungen. Brodelnde Aufregung wird spürbar ebenso wie hohe Erwartungen an eine ungeahnte Zukunft, die quasi vor der Tür stand. Kann man sich legitimer Weise dieser Faszination entziehen? Ist es nicht genau diese Rolle, in der wir Wissenschaft derzeit besonders gerne darstellen und sehen? Endlich bekommen wir nicht eine esoterische Wissenschaft, sondern eine nützliche, deren Erkenntnisse völlig neue Horizonte für uns eröffnen werden.

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Beat Mazenauer: Die Wirklichkeit gibt es nicht und wir glauben fest daran. Unsere alltäglichen Irritationen. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays. Das Schöne

Computer-Chaos Hans H. Diebner: Performative Wissenschaft - Unerforschlich Falsches?. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
Chaos existiert!? Hans H. Diebner: Performative Wissenschaft - Unerforschlich Falsches?. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
Kapitel: . Florian Grond: Von der Realität zur Linie und zurück, eine kleine «theory of everything». In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
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Kapitel: David Florian Grond: Von der Realität zur Linie und zurück, eine kleine «theory of everything». In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
Vorweg: Sichtbarkeit / Flüchtigkeit Felix Keller: Ikonen der Moderne. Diagramme und die Ästhetik der Sichtbarkeit. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
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Diagramm: Denken und Sehen Felix Keller: Ikonen der Moderne. Diagramme und die Ästhetik der Sichtbarkeit. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
Eine neue Bildersprache? Felix Keller: Ikonen der Moderne. Diagramme und die Ästhetik der Sichtbarkeit. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.
Eine Poetologie des Diagramms Felix Keller: Ikonen der Moderne. Diagramme und die Ästhetik der Sichtbarkeit. In: Band 1, Das Wahre, Falsche, Schöne. Reality Show. Essays.