Gesine Boesken

Das Flüchtige archivieren? Literarisches Handeln und Anschlusskommunikation im Internet

Ein Blick in Chats, Foren, Gästebücher, Weblogs und andere Internet-Kommunikationsräume legt die Vermutung nahe, dass es sich beim Internet um das größte Archiv von Alltagsgesprächen seit dem Aufkommen von audio-visuellen Aufzeichnungsmedien handelt. Fast jeder Kommunikationsbeitrag erfolgt schriftlich und wird, ohne dass nach der Relevanz gefragt würde, automatisch gespeichert. Dies lässt sich auch für literarisches Handeln im Internet und die in diesem Rahmen stattfindende Anschlusskommunikation beobachten: Kein anderes Medium bietet den Nutzern so viel Raum und Möglichkeiten, sich in allen Bereichen des Literaturbetriebs zu betätigen und sich mit Gleichgesinnten darüber auszutauschen. Eine Vielzahl von Internet-Literaturforen und Literatur-Homepages sind Zeugnisse dieses Bedürfnisses nach literarischem Handeln; und die daraus resultierenden (immer vorläufigen) ‚Ergebnisse‘ sind hier gespeichert und öffentlich nachlesbar. Können (oder müssen) wir also entsprechend vom Entstehen neuer kultureller Archive sprechen?