Ruth Anderwald + Leonhard Grond: Notizen zu einer Küste. Eine Fotoserie

Klaus Zeyringer: Bilder / Erzählen: Bewegte Nähe
Ruth Anderwald + Leonhard Grond: Notizen zu Israel
Im Rahmen der Arbeit „Notes on a Coast“ und einer Buchveröffentlichung dazu.

Notizen zu einer Küste. Eine Fotoserie

Wien, September 2007

Fotos sind keine Gegenstände, sondern Zustände: Für uns existieren sie nur im Augenblick des Betrachtens, nicht davor und nicht danach. ( – Eine Eigenschaft, welche sie im Übrigen mit Gedichten teilen: Auch diese funktionieren streng genommen nur im Moment des Hörens.)
Ihre Rezeption basiert maßgeblich auf einem intuitiven, sinnlichen Begreifen – die Ratio bleibt erst einmal außen vor.
Es gibt kein Betrachten, keine Vorstellung ohne den Körper. Der organische Blick erfasst die abgebildeten Gegenstände: lose, ohne Kontext, ohne Wertung. Die Augen selbst kennen keine Moral.
Fotos markieren jenen gefährlichen, dem Menschen immer noch unheimlichen Moment, bvor der Prozess der Rationalisierung in Gang tritt, haben aber nichts gemein mit ihm. Wertung, Interpretation und Kontextualisierung der abgebildeten Gegenstände machen letztlich den Standpunkt des Betrachters deutlich, das Foto existiert und wirkt aber außerhalb dieses Prozesses. Und doch überlagert dieser Prozess oft das rein Sichtbare.
Dem Foto wie dem Gedicht liegt ein seltsamer, faszinierender Gegensatz zugrunde: ein nahezu verschwindender, flüchtiger Gegenstand ohne bemerkenswerten Körper – ein loses beschriebenes Blatt, das plastfizierte Fotopapier – kann eine massive, ganz existentielle leibliche Reaktion evozieren.