Vernissage: 11. März 2005, 19 Uhr

Eine Ausstellung im Forum Schlossplatz Aarau
vom 12. März - 22. Mai 2005

"Die einen wissen nichts. Die andern verstehen das, was sie wissen, nicht." (Ludwig Hohl)

"Zwar gibt es kein Sehen ohne Denken, aber es genügt nicht, zu denken, um zu sehen: Das Sehen ist ein bedingtes Denken, das erzeugt wird 'bei Gelegenheit' dessen, was im Körper geschieht, er ist es, der zum Denken 'anregt'." (Maurice Merleau-Ponty)

Reality Show oder Doku-Soap: das Fernsehen macht vor, wie die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion in der Informationsgesellschaft immer durchlässiger werden. In Formaten wie "Big Brother" wird inszenierte Fiktion zur Wirklichkeit, und in Doku-Soaps wird die Wirklichkeit fiktional aufgepeppt. Nichts ist mehr sicher.

Die Ausstellung "Reality Show. Vom Wissen, Meinen und Erzählen" befasst sich mit unseren alltäglichen Schwierigkeiten, angesichts der Fülle an Informationen und Wissen, die auf uns eindrängen, zwischen wahr und falsch, glaubwürdig und zweifelhaft zu unterscheiden: zu entscheiden. Ständig haben wir zu bestimmen, was wir erfahren, wissen, glauben, oder was wir missachten, nicht wissen und verwerfen wollen. Dokument und Fiktion, Wirklichkeit und Inszenierung, Behauptung und Beweis, Tatsache und Gerücht, Ereignis und Abbildung geraten sich nicht nur beim Reality-TV miteinander ins Gehege. Im Zweifelsfall entscheiden wir uns bereitwillig für die einfachste Wahrheit und für die schönste Geschichte.

Notgedrungen haben wir uns eingerichtet im Zwielicht, das vom Unwahren in der Wahrnehmung herrührt. Zwischen den polaren Begriffskrücken "Wahrheit" und "Lüge" finden sich alle erdenklichen Abstufungen dieser Unschärfe: Nacherzählung, Vereinfachung, Interpretation, Übersetzung, Missverständnis, Inszenierung, Manipulation, Gerede und Betrug. Wir sind angewiesen auf die Medien der Vereinfachung: Diagramm, Zusammenfassung oder Übersetzung. Davon erzählt "Reality Show".